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Sonntag, August 7, 2022
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Was wäre, wenn alle so leben würden wie die Österreicher?

Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Ausbeutung natürlicher Ressourcen in vielen Ländern zunimmt. Dabei wird aber auch deutlich, dass es für die Menschen in den betreffenden Regionen keine merklichen sozialen Verbesserungen gibt.

Ein bekannter Slogan der österreichischen Wirtschaftskammer lautet „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut“. Damit will man zum Ausdruck bringen, dass eine gute Wirtschaftsleistung automatisch auch zu mehr Wohlstand für die Bevölkerung führt. Dass es sich dabei um keine allgemein gültige Regel handelt, ist einem Artikel im Fachmagazin „Nature Sustainability“ zu entnehmen.

Ein Forschungsteam hat in den Jahren 1992 bis 2015 140 Länder unter die Lupe genommen. Im Fokus stand der steigende Ressourcenverbrauch. Die Forscher konnten zeigen, dass ein gesteigerter Verbrauch an Ressourcen zwar die Lebenserwartung und den Zugang zu Bildung verbessern kann, aber ansonsten kaum soziale Verbesserungen mit sich bringt. So war beispielsweise die Vermögensgerechtigkeit, also die Verteilung des Vermögens auf die Bevölkerung, in manchen Ländern sogar rückläufig.

Nachhaltigkeit ebenfalls rückläufig

Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie betrifft das Thema Nachhaltigkeit. So konnten die Forscher zeigen, dass kein einziges der untersuchten Länder in der Lage ist, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch auf einem nachhaltigen Niveau zu halten.

So lagen im Jahr 1992 die CO2-Emissionen von etwa zwei Drittel der untersuchten Länder innerhalb der ökologischen Grenzen. Im Jahr 2015 waren es nur noch 15 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Rohstoffbedarf: Während in den 90ern noch 61 Prozent im ökologischen Rahmen waren, sank die Zahl im Vergleichszeitraum auf 47 Prozent.

Eine Welt reicht nicht mehr aus

Dass Nachhaltigkeit in der westlichen Welt vorwiegend Marketing ist, zeigen laut Kritikern die bitteren Zahlen des Welterschöpfungstages. Im Jahr 2021 fiel er, weltweit betrachtet, auf den 29. Juli. Das bedeutet, dass bereits an diesem Tag alle natürlichen Ressourcen, die in einem Jahr zur Verfügung stehen, verbraucht wurden.

Würden alle Menschen dieser Welt so leben wie die Österreicher, bräuchten wir 3,8 Erden, um den Ressourcenbedarf decken zu können. Für einen Lebensstandard wie in Deutschland 2,9 Erden und in Ungarn 2,3 Erden.

Angeführt wird diese Liste von Qatar mit 9,2 Erden, gefolgt von Luxembourg mit 8 Erden und den Vereinten Arabischen Emiraten mit 5,6 Erden. Dieser Faktor zeigt, dass viele Länder weit über ihre Verhältnisse leben.

Werte weit überschritten

In der Studie wird deutlich, dass unter anderem Österreich und Deutschland die Grenzen aller sechs biophysikalischen Indikatoren überschreiten. Allerdings schneiden die beiden Länder auch bei den sozialen Indikatoren gut ab.

Für die Zukunft zeichnen die Forscher ein düsteres Bild. Gelingt es nicht, soziale Defizite zu beseitigen, wird sich die ökologische Krise weiter zuspitzen. Damit die Gesundheit der Menschen und des Planeten geschützt werden kann, seien tiefgreifende Veränderungen notwendig, sind sich die Forscher einig.

Folgen der Erdüberlastung

Dass es sich bei den Ergebnissen der Studie nicht nur um trockene Zahlen handelt, wird bei einem Blick in die Realität klar. Um die Bedürfnisse, vor allem in der westlichen Welt zu decken, werden Wälder abgeholzt, Flüsse verunreinigt und ganze Landstriche unbewohnbar gemacht. Weitere Folgen sind Wassermangel, Artensterben, Klimawandel und ein massiver Rückgang der Fischbestände.

Für Kritiker scheinen in Anbetracht dieser drastischen Auswirkungen Empfehlungen wie weniger Fleisch zu essen, häufiger das Fahrrad zu nutzen oder mehr zu Fuß zu gehen mehr als lachhaft. Sie fordern konkrete Maßnahmen anstatt hohler Phrasen. Vor allem, da sich diese Entwicklung schon seit Jahrzehnten abzeichnet. Seit den 70er Jahren lebt die Menschheit auf Pump.

Umweltschutzorganisationen betonen deshalb vermehrt, das Paradigma des Wirtschaftswachstums hinter sich zu lassen und den Umweltschutz in den Mittelpunkt zu stellen. Aber der zu hohe Ressourcenverbrauch ist ein komplexes und globales Problem, das nicht von heute auf morgen gelöst werden kann.

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